In klassischen SAP-Systemen wurden komplexe Geschäftsregeln oft direkt im Code (ABAP) abgebildet.
Das war flexibel – aber auch risikoreich, teuer in der Wartung und oft ein Hindernis für Upgrades.
Mit SAP S/4HANA und SAP BTP ist ein neues Paradigma möglich: Business Rules als deklarative, externe Entscheidungslogik, verwaltet außerhalb des Cores.
In diesem Beitrag vergleichen wir SAP Business Rules mit klassischer Custom Logic, und zeigen, wie man Entscheidungsprozesse modern, sauber und skalierbar gestaltet.

1. Was ist "Custom Logic" in SAP?
- Individuell entwickelte Logik in ABAP, User-Exits, BAdIs oder Z-Programmen
- Wird direkt in den Geschäftsprozess integriert
- Leistungsfähig, aber schwer wartbar und wenig transparent
- Änderungen erfordern Entwickler und Tests
- Risiko bei Upgrades, wenn schlecht dokumentiert
2. Was sind SAP Business Rules?
- Werkzeuge zur modellgestützten Definition von Regeln (z. B. Preislogik, Scoring, Freigaben)
- Entkoppelt von der Anwendung und oft in SAP BTP ausgelagert
- Können von Fachbereichen gepflegt werden
- Versionierbar, simulierbar, auditierbar
- Technisch leicht integrierbar per API oder Workflow
3. Vergleich: Custom Logic vs. SAP Business Rules
| Kriterium | Benutzerdefinierte Logik (ABAP) | SAP Business Rules |
| Flexibilität | Sehr hoch | Hoch, mit Struktur |
| Kontrolle | Vollständig, aber nur technisch | Geteilt mit Fachbereich |
| Clean Core | Kompromittiert | Wartungsfrei |
| Wartung | Komplex | Einfach und modular |
| Skalierbarkeit | Niedrig | Hoch, über BTP |
| Auditierbarkeit | Meist manuell | Automatisch integriert |
4. Wann SAP Business Rules verwenden?
- Wenn die Regeln häufig ändern
- Wenn der Fachbereich die Logik verstehen und pflegen soll
- Bei simulationsbedürftigen Entscheidungen
- Für mehr Transparenz und kürzere Entwicklungszyklen
- Wenn Clean Core priorisiert wird
5. Wann bei Custom Logic bleiben?
- Bei technisch komplexer Integration im SAP-Kern
- Wenn Performance auf Zeilenebene kritisch ist
- Bei bestehenden, gut dokumentierten ABAP-Strukturen
- Wenn SAP-Standardlösungen die Logik nicht abbilden können
6. Der hybride Ansatz: das Beste aus beiden Welten
Moderne SAP-Architekturen setzen auf ein balanciertes Modell:
- Standardfunktionen im Core
- Erweiterungen auf SAP BTP
- Entscheidungen über SAP Business Rules
- Governance auf allen Ebenen
So bleibt das System agil, auditierbar und upgradefähig.
7. Verfügbare SAP-Tools
- SAP Business Rules Service (BTP)
- SAP BRFplus in On-Premise-Umgebungen
- SAP Decision Tables für visuelle Logik
- SAP Build Process Automation zur Kombination von Regeln, Formularen und Workflows
8. Wie principal33 Unternehmen unterstützt
Wir helfen SAP-Kunden dabei:
- Regelwerke zu identifizieren und zu externalisieren
- SAP BTP für regelbasierte Entscheidungen aufzusetzen
- Governance-Strukturen für Fachbereiche zu etablieren
- Clean Core und Agilität in Einklang zu bringen
- Die technische Grundlage für Automatisierung zu schaffen
Fazit
Die Zukunft von SAP liegt nicht in mehr ABAP – sondern in sauberer Architektur mit delegierter Logik.
SAP Business Rules ermöglichen Transparenz, Agilität und Kontrolle – ohne Kompromisse beim Systemdesign.
Mit principal33 gestalten Sie Ihre Prozesse so, dass sie schneller anpassbar, wartbar und zukunftssicher bleiben.

